Dressurpferd auf Kandare geritten
Dressurpferd auf Kandare geritten © Benkert

Diagonale Hilfen

Der Begriff „diagonale Hilfengebung“ kann nicht alleine für sich gesehen werden. Es ist ein Begriff aus der Theorie, den man beim täglichen Training so nicht anwendet.

Der Begriff „diagonale Hilfengebung“ bezeichnet das Herantreiben des inneren Hinterbeins gegen den äußeren Zügel unter Belastung des inneren Gesäßknochens. Das innere Hinterbein wird aktiviert und die Kraft geht diagonal durch das Pferd zum Schwerpunkt Richtung äußerem Zügel. Daher ist der Begriff praktisch gleichbedeutend mit der halben Parade. Was sich dahinter verbirgt, ist das Zusammenspiel von Schenkel- und Zügelhilfen. Und zwar dem inneren Schenkel und dem äußeren Zügel. Bei diesem Zusammenspiel gibt es einiges zu beachten, dass grundsätzlich gilt.

Versammelnde und versammelte Dressurlektion Schulterherein
Dressurlektion Schulterherein © Benkert

Alles was man mit der Hand macht, muss auch mit dem Bein nachgetrieben oder vorbereitet werden. Denn die Schenkelhilfe, eine treibende Hilfe, genießt absoluten Vorrang vor der Zügelhilfe. Der Schenkel ist im wahrsten Sinne die treibende Kraft, die das Pferd veranlasst, sich vorwärts oder seitwärts zu bewegen und dem Reiter ermöglicht, eine gleichmäßige, sichere Anlehnung mit dem Pferdemaul herzustellen. Der Zügel dient dem Reiter schließlich zur Feinabstimmung. Das diagonale Zusammenspiel von Schenkel und Hand benötigt man vor allem bei Biegungen und Wendungen jeglicher Art.

Egal ob beim Durchreiten einer Ecke, einer Volte, dem Schulterherein oder schließlich einer Traversale. In all diesen Situationen bestimmt der Reiter mit seinem inneren Schenkel und dem äußeren Zügel den Grad der Stellung (bezieht sich auf Kopf und Hals) und den Grad der Längsbiegung (bezieht sich auf den gesamten Körper). Korrekterweise müsste man noch die Gewichtshilfe, die in diesen Momenten ebenfalls auf dem inneren Gesäßknochen ruht, erwähnen. In der Praxis lernt man das genaue Dosieren der Hilfen ohnehin am besten nach dem Prinzip „learning by doing“. Wie viel Druck am Schenkel gemacht werden muss, wie viel Gewicht man auf welchem Zügel hat, ist vollkommen abhängig vom Pferd und dem Ausbildungsstand sowohl von Pferd als auch Reiter.
Eines ist jedoch sicher: Im Geradeaus ist noch kein Pferd ausgebildet worden. In einzelnen Lektionen wie z.B. dem Schenkelweichen, wird Stellung ohne Biegung sogar verlangt.

Auf gebogenen Zirkellinien, Ecken Schlangenlinien etc., ist das Pferd immer so zu biegen, dass es in seiner ganzen Länge auf die z.Z. gerittene Figur eingestellt ist, die Hinterfüße also den gleichseitigen Vorderfüßen auf einer Linie folgen. Dies erreicht der Reiter nur in konsequenter Abstimmung der „diagonalen“ Hilfen.


  • Das heißt, innerer Schenkel treibend am Gurt,
  • Gewicht vermehrt auf den inneren Gesäßkochen,
  • äußerer Zügel verwahrend zur Begrenzung von Stellung und Biegung im Hals,
  • innerer Zügel annehmend und nachgebend zur Erreichung der Stellung
  • äußerer Schenkel verwahrend hinter dem Gurt.

Die Bedeutung der äußeren Hilfen wird hier oft unterschätzt. Gerade auf sie ist aber besonderer Wert zu legen.

Pferd auf der gebogenen Linie, der Volte
Pferd auf der gebogenen Linie © Benkert

Merke:

Es gibt keine Biegung ohne Stellung, während wie oben bereits beschrieben Stellung ohne Biegung durchaus möglich.

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